Natur im Monat

Hier werden einmal im Monat eine Art, Artengruppe oder ein Lebensraumtyp vorgestellt, welche mit Hilfe des LPVs im Landkreis Mühldorf gefördert wurden:

Natur im September – Toteiskessel, Relikte der Eiszeitlandschaft mit einzigartigen Lebensgemeinschaften

Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf organisiert die Umsetzung der im Rahmen des landkreisübergreifenden Projektes „Schätze der Eiszeitlandschaft“ entwickelten Pflegekonzepte zum Erhalt und zur Verbesserung der einzigartigen Toteiskesselbiotope.

Was sind Toteiskessel?

Die Landschaft im Süden des Landkreises, südlich von Maitenbeth, Haag und Unterreit wurde im Wesentlichen vor etwa 20 000 Jahren während der letzten Eiszeit geformt. Damals schoben sich mächtige Gletscherzungen aus den Alpen in das Alpenvorland bis nach Maitenbeth, Haag und Gars und brachten gewaltige Mengen an Steinen, Kies und Sand mit sich, welche in Form von Endmoränenwällen an der Gletscherstirn sowie als Grundmoräne abgelagert wurden.

Foto: Elisabeth Knapp

Mit dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10 000 Jahren schmolzen die Eismassen ab. Durch den raschen Rückzug der Gletscher brachen an der Gletscherstirn einzelne Eisblöcke ab. Solche Blöcke, die die Verbindung zum „lebenden“, sich ständig in Bewegung befindenden Gletschereis verloren haben, werden als „Toteis“ bezeichnet. Diese Toteisblöcke wurden schließlich mit Schotter und Sand überdeckt und schmolzen darunter nur sehr langsam ab. Die darüber abgelagerten Gesteine sackten nach und nach ab und es entstanden abflusslose, meist oval geformte Senken unterschiedlicher Größe, aufgrund ihrer Entstehung als „Toteiskessel“ oder „Toteislöcher“ bezeichnet.

Besondere Schätze der Eiszeitlandschaft

Manche Toteiskessel, in denen sich feine, wasserstauende Sedimente ablagerten, sind heute wassergefüllt und bilden sogenannte Toteisseen.  In anderen Senken haben sich wertvolle Moore entwickelt. Sie alle bilden wichtige Lebensräume und Rückzugsorte für seltene, zum Teil vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie z.B. den Kammmolch, den Kleinen Wasserfrosch oder den nur in Mooren anzutreffenden Sonnentau oder den Hochmoor-Perlmuttfalter.

Fotos: Elisabeth Knapp und Esther Lindner

Schätze erhalten

Von den ursprünglich vielzähligen Toteiskesseln ist heute nur mehr ein geringer Rest vorhanden. Die noch verbliebenen sind zudem durch die Aufgabe der früheren traditionellen Nutzung gefährdet. Viele Gewässer und Moore verlanden und verbuschen.

Das BayernNetzNatur-Projekt „Schätze der Eiszeitlandschaft“ der Landkreise Mühldorf und Rosenheim setzt sich deshalb für den Erhalt und die Pflege von Toteiskesseln und –seen im Raum Haag und Wasserburg ein. In Zusammenarbeit mit den Landschaftspflegeverbänden werden dafür Nutzungsformen der traditionellen Kulturlandschaft wiederbelebt.

In freiwilliger Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern aus Land- und Forstwirtschaft sowie privaten Besitzern organisiert der Landschaftspflegeverband Mühldorf die jeweiligen Maßnahmen, welche für den Erhalt oder die Sanierung der Toteiskessel und ihrer kostbaren Tier- und Pflanzenwelt notwendig sind, von der Streuwiesenmahd über Entbuschungsmaßnahmen bis hin zu Entschlammungen von Gewässern und trägt damit zum Erhalt dieser einzigartigen Schätze der Eiszeitlandschaft im Landkreis Mühldorf bei.

Natur im August – Die Zauneidechse, Sonnenanbeter auf Halbtrockenrasen

Mit der Pflege von Halbtrockenrasen fördert der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf geeignete Lebensräume für die Zauneidechse.

Die Zauneidechse (Lacerta agilis) wurde 2020 zum Reptil des Jahres gewählt. Die in ganz Bayern heimische Eidechse ist regional sehr unterschiedlich häufig anzutreffen. Als typischer Kulturfolger war sie ursprünglich weit verbreitet, jedoch zeigt die Art inzwischen lokal deutliche Bestandsrückgänge, so dass die Zauneidechse in Bayern heute als „gefährdet“ auf der Roten Liste steht.

Prächtige Männchen

Im Vergleich mit anderen Eidechsen besitzt die Zauneidechse einen kräftigeren Körper mit relativ kurzen Beinen und einen runderen Kopf. Die Färbung und Zeichnung kann sehr unterschiedlich sein. Meist verläuft auf der braunen Oberseite ein Muster aus hellen, unterbrochenen Linien und dunkelbraunen Flecken. Auffällig sind die leuchtend grün gefärbten Körperseiten der Männchen während der Paarungszeit. Die Weibchen sind durch ihre gelb- bis graubraune Färbung gut getarnt.

Foto: Andreas Zahn

Ende März / Anfang April verlassen die Zauneidechsen ihre Winterquartiere in natürlichen Hohlräumen oder selbstgegrabenen Röhren. Die Paarungszeit erstreckt sich von April bis Juni. Zwischen Mitte Mai und Anfang Juli legt das Weibchen 5 – 14 kleine Eier in einer selbstgegrabenen, Höhle in einer Tiefe von ca. 4 – 10 cm ab. Meist im August schlüpfen daraus etwa 5 cm kleine und 0,5 g leichte junge Zauneidechsen. Auf dem Speiseplan der Zauneidechse stehen Insekten und Spinnen, am liebsten fressen sie Heuschrecken und Raupen. Sie selbst müssen sich vor Turmfalken, Marder und Igel in Acht nehmen, im Siedlungsumfeld fallen sie aber vor allem den Hauskatzen zum Opfer.

Foto: Esther Lindner

Struktur- und beutetierreich bevorzugt

Sonnig, trocken und strukturreich, so sieht der bevorzugte Lebensraum der Zauneidechse aus. Als wechselwarme Reptilien suchen die tagaktiven Echsen am Morgen Sonnenplätze auf Altgras- und Moospolstern oder Totholzästen zum Aufwärmen auf. Bei hohen Temperaturen verkriechen sie sich in den Schutz der Vegetation oder auch gerne in Mäuselöcher, welche sie auch häufig als Nachtverstecke nutzen. Für die Eiablage benötigen sie vegetationsarme Bereiche mit lockeren, bevorzugt sandigen Böden. Südexponierte Halbtrocken- und Magerrasenhänge mit einem Mosaik aus Gehölzen und Offenland bieten der Zauneidechse somit ideale Lebensräume.

Damit Magerrasen in ihrer Form bestehen können, ist eine entsprechende Pflege notwendig. Wird die traditionelle Nutzung aufgegeben, verbuschen die Flächen rasch und gehen damit als Lebensraum für die Zauneidechse verloren. Der Landschaftspflegeverband Mühldorf entwickelt deshalb unter Berücksichtigung der Ansprüche der Zauneidechse ein angepasstes Pflegekonzept, um die wertvollen Magerrasen durch eine abgestimmte Mahd zu erhalten und gleichzeitig die für die Reptilien wichtigen Strukturen mit Gehölzanteilen, Totholzhaufen und Altgrasbereichen bereitzustellen. So können die Zauneidechsen auch in Zukunft ihr Sonnenbad auf den Magerrasen im Landkreis Mühldorf genießen.

Natur im Juli – Der Wiesensalbei, ein Bestandteil wertvoller Pflanzengesellschaften

Hummel an Wiesensalbei

Fotos: Esther Lindner

Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf engagiert sich bei der Gewinnung von regionalem Saatgut artenreicher Wiesen.

An sonnigen Wegrändern und trockenen Böschungen sieht man von Mai bis Juli die kräftig dunkelblauen Kronen des Wiesen-Salbeis blühen. Die Blütenstände setzten sich aus jeweils vier bis acht, quirlständig am kantigen, etwas klebrigen Stängel sitzenden Blüten zusammen. Seine Zugehörigkeit zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler wird durch die markante, sichelförmige Oberlippe der Blüten deutlich.

Der Wiesen-Salbei gedeiht auf sonnigen Fettwiesen mit kalkhaltigem Boden sowie auf Halbtrockenrasen und Kalkmagerrasen. Dort wächst er zusammen mit einer Vielzahl weiterer, meist magerkeitsliebender Blumen- und Grasarten, welche ebenfalls auf diese Standortverhältnisse angewiesen sind. So ist der Wiesen-Salbei z.B. Bestandteil und gleichzeitig mit namensgebend der im Landkreis Mühldorf vorkommenden, sehr wertvollen „Salbei-Glatthaferwiesen“ bzw. „Tiefland-Trespenwiesen mit Wiesen-Salbei“. In solchen artenreichen Pflanzengesellschaften findet sich neben dem Wiesen-Salbei und den namensgebenden Gräsern z.B. die Margerite, die Knäuel-Glockenblume oder die Karthäusernelke.

Diese wertvollen Wiesengesellschaften gilt es zu erhalten. Gleichzeitig ist es auch wichtig, ihren Bestand auf neuen, geeigneten Standorten auszuweiten und damit zu Stärken. Für die Anlage neuer artenreicher Wiesen benötigt man entsprechendes Saatgut. Dabei ist stets regionales Saatgut zu verwenden, also Samen, welche aus dem gleichen Naturraum gewonnen wurden, in dem sie später ausgebracht werden sollen.

Eine Möglichkeit der Saatgutgewinnung bietet der „E-Beetle“. Mit Hilfe des elektrisch angetriebenen Kleingerätes werden über eine rotierende Bürste Samen aus der Wiese ausgebürstet und in einem Auffangkorb gesammelt. Der Einsatz dieser „Samenerntemaschine“ bringt gegenüber dem Mähgutübertrag mehrere Vorteile. So bleibt die Pflanze während des Erntevorgangs bestehen und der Landwirt kann später das Heu ohne Einbußen ernten. Auch Insekten und Kleintiere überstehen das Herausbürsten unversehrt. Vor allem aber lässt sich eine Fläche mit Hilfe des E-Beetle zu mehreren Zeitenpunkten beernten, so dass auch Samen von Pflanzen mit unterschiedlicher Samenreife gewonnen werden können und man so das gesamte Artenspektrum der Wiese erfassen kann.

Auch der LPV Mühldorf greift auf diese Art der Saatgutgewinnung zurück. Dazu beteiligte er sich kürzlich an einem Gemeinschaftsprojekt von Landschaftspflegeverband (LPV) Altötting, Wildland-Stiftung Bayern, Unterer Naturschutzbehörde des Landkreises Mühldorf und VERBUND Innkraftwerke GmbH. Für die Beerntung stellte der LPV Altötting seinen E-Beetle zur Verfügung. Gemeinsam wurden dann einzelne, artenreiche Spenderflächen im Landkreis Mühldorf beerntet. Das gewonnene Saatgut wurde anschließend getrocknet und gelagert.

Nun wartet es auf seinen Einsatz auf einer neuen Empfängerfläche im Landkreis Mühldorf wo dann schon bald auch der dunkelblauen Wiesen-Salbei wieder erblühen wird.

Foto: Esther Lindner

Natur im Juni – Kuckuksblumen und Orchideen

Fotos: Esther Lindner

Blumenschätze in den Feuchtwiesen des Landkreises Mühldorf

Mit dem richtigen Mahd-Pflegekonzept  erhält und  fördert der Landschaftspflegeverband Mühldorf die Artenvielfalt der Feucht- und Nasswiesen im Landkreis Mühldorf

Sobald im Jahr der Kuckuck vom Waldrand ruft, blüht in den feuchten Flussniederungen und grundwassernahen Wiesen im Landkreis Mühldorf  die Kuckucks-Lichtnelke. Auch viele andere Blütenpflanzen mit zum Teil sehr spannenden Namen wie der Teufelsabbiss,  der Schlangenknöterich oder der Große Wiesenknopf gedeihen hier auf den bodenfeuchten und nassen Standorten. Sie erhielten ihre Namen aufgrund ihres Erscheinungsbildes ihrer  Wurzeln oder Blütenstände. Gleiches gilt für das Wiesenschaumkraut, welches  im April die so genannten Streuwiesen mit seinen weiß-hellrosanen Blüten wie mit einer Schaumkrone überzieht.  Der Name „Streuwiese“ rührt von der traditionellen Nutzung dieser blütenreichen Nass- und Feuchtwiesen her. Sie  wurden früher  einmal im Jahr im Herbst gemäht. Das Mähgut diente als Pferdefutter, vor allem aber nutzte man es als Einstreu in den Viehställen.

Durch die extensive Nutzung  gedeihen auf den meist nährstoffarmen, wassergeprägten Böden artenreiche Wiesen mit vielen Blütenpflanzen. In manchen Feuchtwiesen findet man auf einem 10 bis 20 m² großen Bereich 40 bis 50 verschiedene Pflanzenarten. Auch Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut kommen hier vor. Von dem über das ganze Jahr verteilten Blütenangebot profitieren wiederum zahlreiche Schmetterlinge und andere Insekten. Einige davon, wie der Dunkle Wiesenknopfameisenbläuling, pflegen ganz enge Beziehungen zu bestimmten Blumenarten.

Foto: Esther Lindner

Sobald sich die Nutzungsintensität  der Wiesen ändert, ändert sich auch ihre Artzusammensetzung. Durch eine Nutzungsintensivierung durch Trockenlegung oder Düngung, aber auch aufgrund von Nutzungsaufgabe und fehlende Mahd, breiten sich zunehmend Hochstauden aus. Gilbweiderich, Rohrglanzgras, Schilf sowie Nährstoffzeiger wie Brennnessel und oftmals Neophyten wie das Indische Springkraut verdrängen rasch die Wiesenblumen. Gleichzeitig  nimmt die Artenvielfalt stark ab, und niederwüchsige Pflanzen wie das im Landkreis ohnehin seltene Knabenkraut verschwinden.

Um die artenreichen Feuchtwiesen mit ihrem reicheren Blühhorizont zu erhalten oder wieder herzustellen, ist oftmals eine Aushagerung der Fläche notwendig. Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf entwickelt dazu für die wertvollen Feuchtflächen im Landkreis Mühldorf angepasste Mahdregime. Durch eine abgestimmte frühe Mahd der sich ausbreitenden Schilf- und Neophytenbestände können dem Boden möglichst viele Nährstoffe entzogen werden und gleichzeitig die Ausbreitung von Neophyten eingedämmt werden. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass die ebenfalls sehr wertvollen, reinen Schilfbestände erhalten bleiben. Ein abgestimmtes Pflegekonzept ermöglicht die Entwicklung eines kleinräumigen Mosaiks unterschiedlicher Feuchtlebensräume nebeneinander.   Durch die dadurch erreichte Strukturvielfalt auf engem Raum kann der wertvolle  Artenreichtum erhalten und gefördert werden. So sorgt der LPV Mühldorf dafür, dass auch in den kommenden Jahren mit dem Ruf des Kuckucks im Landkreis Mühldorf die Kuckucks-Lichtnelken erblühen werden.

Natur im Mai – Heimische Insekten

Foto: Esther Lindner

Blumenparadiese für Wildbiene und Co.:
Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf legt artenreicher Wiesen an und fördert so u.a. heimische Insekten

Ob in Privatgärten, auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen oder auf kommunalen Flächen, vielerorts wird inzwischen viel getan, um unseren heimischen Insekten – Wildbienen, Schmetterlingen, Fliegen, Käfern und Co – zu helfen. Doch was auf den ersten Blick ganz einfach erscheint, ist oft komplexer als gedacht. Denn viele unserer Insekten sind Spezialisten und an ganz bestimmte Pflanzenarten angepasst. Soll eine Blumenwiese unseren heimischen Insekten wirklich etwas bringen, müssen die besonderen Ansprüche der verschiedenen Arten berücksichtigt werden. Daher unterstützt der LPV Mühldorf Interessierte und berät bei der Anlage von artenreichern, insektenfreundlichen Blühwiesen von der Auswahl des passenden Saatgutes bis hin zur optimalen Pflege.

Jeder ist für sich besonders und manchmal etwas „g´schleckig“

Während unsere Honigbiene als sogenannter Generalist sich mit vielen verschiedenen Blüten und Blumen als Trachtquelle begnügt, sind viele unserer heimischen Wildbienen aber auch Schmetterlinge weit aus anspruchsvoller und pflegen enge Beziehungen zu ganz bestimmten Pflanzenarten. Viele heimische Schmetterlinge benötigen ganz spezielle Futterpflanzen für ihre Raupen, der prächtige Schwalbenschwanz benötigt für seine Raupen Wildblumen wie die Wilde Möhre. Aber nicht nur die Raupen, auch die Schmetterlinge selbst haben ihre Vorzüge, an welchen Blumen sie saugen. Gleiches gilt für viele unserer Wildbienenarten. Oft sind sie auf ganz bestimmte Pflanzen mit z.T. schwer zu bestäubenden Blüten spezialisiert, welche von der Honigbiene gemieden werden. Somit haben viele Insekten ihre ganz individuelle „Partner-Pflanze“.

Artenreiche Wiesen fördern unsere heimischen Insekten

Aktuell werden vom LPV im Landkreis Mühldorf Wiesen mit Arten angereichert oder neu angelegt, um unsere heimische Insektenwelt zu fördern. Bei der Auswahl des Saatgutes ist wichtig, dass ausschließlich regionales Saatgut verwendet wird, denn nur heimische Pflanzen sind für unsere heimischen Insekten von Nutzen. Damit sich die Blühwiesen im gewünschten Maße entwickeln, gibt der LPV Mühldorf zudem Hinweise für die Pflege der Flächen. Auf diese Weise entstehen im Landkreis neue Blumenparadiese für unsere heimischen Insektenarten.

Natur im April – Der Kiebitz (Vanellus vanellus)

Foto: Erwin Wolf

Die Frühlingsboten sind zurück

Mit akrobatischen Flügen und typischem „Kiwitt-Ruf“ sieht man die Himmelsgaukler zurzeit über den Feldern fliegen. Durch ihre beeindruckenden Balzflüge grenzen die auffällig schwarz-weiß gefärbten Vögel mit dem leicht metallisch schimmernden Gefieder und der charakteristischen Federholle auf dem Kopf ihre Brutreviere ab.  Bereits Mitte Februar sind die ersten Kiebitze aus ihren Überwinterungsgebieten in Westfrankreich oder Spanien zurückgekommen, um nun – als sehr brutortstreue Vögel – auf ihren angestammten Feldfluren dem Brutgeschäft nachzugehen.

Der Acker als neues Brutgebiet

Kiebitze sind so genannte Wiesenbrüter. Da ihre ursprünglichen Brutgebiete, extensiv genutzte, oft feuchte Wiesen, jedoch immer seltener werden, weichen die Tiere immer häufiger auf Ackerflächen aus, welche zu Beginn der Brutzeit – etwa ab Mitte März – noch brachliegen. Solche Bedingungen bevorzugen die Bodenbrüter, denn sie brauchen freie Rundumsicht, um nahende Fressfeine wie den Fuchs rechtzeitig erkennen zu können. Ihre Gelege bestehen aus einer flachen Mulde, welche nur sehr spärlich mit ein paar Halmen ausgekleidet wird. Die braun gesprenkelten Eier sind auf dem Boden hervorragend getarnt. In der Regel sind es vier Stück, welche – wie die Blätter eines Kleeblattes angeordnet – in der Mulde liegen.

Der neu gewählte Brutplatz auf dem Acker birgt jedoch Gefahren, denn viele Feldbearbeitungsvorgänge fallen genau in die Brutzeit der Vögel. Da die Nester so gut getarnt sind, werden sie bei der Feldbearbeitung häufig übersehen und so unbeabsichtigt zerstört.

Hilfe für den gefährdeten Feldvogel

Die Kiebitze im Landkreis Mühldorf haben großes Glück. Bereits seit einigen Jahren werden hier einfache, aber erfolgreiche Gelegeschutzmaßnahmen für die stark gefährdeten Feldvögel durchgeführt. Dazu sind im gesamten Landkreis mehrere ehrenamtliche Kiebitz-Helfer*Innen unterwegs, um nach Neststandorten von Kiebitzen Ausschau zu halten. Wurde ein Gelege lokalisiert und ist der Landwirt bzw. die Landwirtin einverstanden, so werden die Nester mit Stangen jeweils drei Meter vor und nach dem Gelege in Fahrtrichtung markiert. So ist das Kiebitznest bei der weiteren Feldbearbeitung gut zu erkennen und kann entsprechend umfahren werden.

Der Landschaftspflegeverband im Kiebitz-Schutz

Seit diesem Jahr koordiniert der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf am Inn das gemeinsam von Landesbund für Vogelschutz  (LBV)- Kreisgruppe Mühldorf, Bayerischem Bauernverband (BBV), Wildland-Stiftung Bayern und der Unteren Naturschutzbehörde initiierte Kiebitz-Projekt im Landkreis Mühldorf. Damit unterstützt der LPV eine weitere, gefährdete Tierart unserer heimischen Natur, auf dass uns die sympathischen Himmelsgaukler auch in Zukunft den Frühling ankündigen werden.

Jeder kann mithelfen!

Jeder kann das Kiebitz-Schutzprojekt unterstützen, indem er Kiebitz-Beobachtungen an den LPV Mühldorf meldet, unter Tel.: 08631 / 699 576 oder Mail: esther_lindner@lpv-muehldorf.de.

Natur im März – Kopfweiden

Foto: Elisabeth Knapp

Aus einer traditionellen Nutzungsform heraus entstanden, gehören Kopfweiden zu den prägenden Landschaftselementen in unserem Landkreis. Die Kopfbäume waren früher vor allem in den Flussniederungen und Bachtälern weit verbreitet und wurden vom Menschen auf vielfältige Weise genutzt: die Weidenruten dienten als Flechtmaterial für Korbwaren und Reusen, aber auch für die Anlage von Zäunen oder als Besen- und Werkzeugstiele. Die Blätter wurden als Viehfutter oder Stalleinstreu verwendet.

Zur Entwicklung der charakteristischen Kopfweiden werden die Bäume – meist Silberweiden oder Korbweiden -in etwa zwei Meter Höhe geköpft, was dazu führt, dass der Baum unterhalb der Schnittstelle mit langen, rutenförmigen Zweigen wieder neu austreibt. Im Zuge des „Schneitelns“ werden die Weidenruten so alle vier bis fünf Jahre geschnitten. Durch diesen wiederholten Rückschnitt verdickt sich die Schnittstelle schließlich zum sogenannten Kopf.

Nicht nur der Mensch profitiert von den Kopfweiden. Die Bäume haben auch vielen unterschiedlichen Tierarten einiges zu bieten. Durch den Schnitt können Bakterien und Pilze in den Stamm eindringen und bewirken ein Verfaulen des Stammes. Dieses Moderholz ist ein wichtiger Lebensraum für eine riesige Zahl an Insekten, so dass dickstämmige Kopfweiden mit zu den insektenreichsten Pflanzen zählen. Gleichzeitig bilden sich dabei unzählige Höhlen, welche höhlenbrütenden Vogelarten wie Wendehals, Steinkauz oder Gartenrotschwanz als Bruthöhle dienen. Auch andere Tiere, zum Beispiel Fledermäuse wie der Große Abendsegler oder auch der Siebenschläfer finden hier ein Quartier.

Durch die Aufgabe der traditionellen Nutzung verschwinden die Kopfweiden und mit ihnen die so wertvollen Lebensräume zunehmend. Gleichzeitig geht ein typisches kultur-historisches Landschaftselement verloren. Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf hat nun im vergangenen Februar an mehreren Kopfweiden im Landkreis Mühldorf einen fachkundigen Pflegeschnitt durchführen lassen, denn nur durch eine regelmäßige Pflege lassen sich die wertvollen Kopfbäume erhalten. Mit Hilfe des LPVs werden die zahlreichen Tierarten dadurch hier auch in Zukunft ein Zuhause finden.

Natur im Februar – Das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris)

Foto: Matthias Nirschl

Sein Name verrät bereits viel über die im Landkreis Mühldorf nur noch an wenigen Stellen anzutreffende und in der Roten Liste Bayern als „gefährdet“ eingestufte Pflanze. Während ihrer Blütezeit von Juni bis Juli verbreiten die in Trugdolden stehenden, schaumigen, kleinen, weißen Blüten einen süßen, mandelartigen Duft. Das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris) ist mit einer Wuchshöhe von 60 cm wesentlich kleiner als das ebenfalls zu den Rosengewächsen zählende, bekanntere und bis 150 cm hohe Echte Mädesüß (Filipendula ulmaria). Auch bevorzugt es als wärmeliebende Art, im Gegensatz zu seinem an Gräben und Nasswiesen sehr häufig vorkommenden, großen Verwandten, mehr wechselfeuchte Wiesen bis hin zu Halbtrockenrasen auf meist kalkreichen Böden. Doch solche Standorte werden heute aufgrund von Nutzungsaufgabe immer seltener. Werden die Wiesen nicht mehr gemäht, breiten sich rasch Gehölze aus und die Flächen verbuschen. Mit den Wiesen verschwindet auch das Kleine Mädesüß.

Um die letzten Vorkommen des Kleinen Mädesüß im Landkreis Mühldorf zu erhalten und zu stärken, hat sich nun der Landschaftspflegeverband Mühldorf (LPV) der Pflege einzelner, wertvoller Standorte angenommen. So wurde auf einem wichtigen Trockenstandort in den vergangenen Wochen im Rahmen einer Erstpflege der aufkommende Gehölzaufwuchs entfernt und die Fläche fachkundig entbuscht. Damit kann auf der Fläche nun wieder die notwendige, regelmäßige Mahd aufgenommen werden. Auch die Mahdvorgaben werden dabei vom LPV auf die Bedürfnisse der zu schützenden Arten abgestimmt. Mit Hilfe des LPV kann das Kleine Mädesüß somit auf eine „rosige Zukunft“ im Landkreis Mühldorf blicken.