Natur im Monat

Hier werden einmal im Monat eine Art, Artengruppe oder ein Lebensraumtyp vorgestellt, welche mit Hilfe des LPVs im Landkreis Mühldorf gefördert wurden:

Natur im März – Kopfweiden

Foto: Elisabeth Knapp

Aus einer traditionellen Nutzungsform heraus entstanden, gehören Kopfweiden zu den prägenden Landschaftselementen in unserem Landkreis. Die Kopfbäume waren früher vor allem in den Flussniederungen und Bachtälern weit verbreitet und wurden vom Menschen auf vielfältige Weise genutzt: die Weidenruten dienten als Flechtmaterial für Korbwaren und Reusen, aber auch für die Anlage von Zäunen oder als Besen- und Werkzeugstiele. Die Blätter wurden als Viehfutter oder Stalleinstreu verwendet.

Zur Entwicklung der charakteristischen Kopfweiden werden die Bäume – meist Silberweiden oder Korbweiden -in etwa zwei Meter Höhe geköpft, was dazu führt, dass der Baum unterhalb der Schnittstelle mit langen, rutenförmigen Zweigen wieder neu austreibt. Im Zuge des „Schneitelns“ werden die Weidenruten so alle vier bis fünf Jahre geschnitten. Durch diesen wiederholten Rückschnitt verdickt sich die Schnittstelle schließlich zum sogenannten Kopf.

Nicht nur der Mensch profitiert von den Kopfweiden. Die Bäume haben auch vielen unterschiedlichen Tierarten einiges zu bieten. Durch den Schnitt können Bakterien und Pilze in den Stamm eindringen und bewirken ein Verfaulen des Stammes. Dieses Moderholz ist ein wichtiger Lebensraum für eine riesige Zahl an Insekten, so dass dickstämmige Kopfweiden mit zu den insektenreichsten Pflanzen zählen. Gleichzeitig bilden sich dabei unzählige Höhlen, welche höhlenbrütenden Vogelarten wie Wendehals, Steinkauz oder Gartenrotschwanz als Bruthöhle dienen. Auch andere Tiere, zum Beispiel Fledermäuse wie der Große Abendsegler oder auch der Siebenschläfer finden hier ein Quartier.

Durch die Aufgabe der traditionellen Nutzung verschwinden die Kopfweiden und mit ihnen die so wertvollen Lebensräume zunehmend. Gleichzeitig geht ein typisches kultur-historisches Landschaftselement verloren. Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf hat nun im vergangenen Februar an mehreren Kopfweiden im Landkreis Mühldorf einen fachkundigen Pflegeschnitt durchführen lassen, denn nur durch eine regelmäßige Pflege lassen sich die wertvollen Kopfbäume erhalten. Mit Hilfe des LPVs werden die zahlreichen Tierarten dadurch hier auch in Zukunft ein Zuhause finden.

Natur im Februar – Das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris)

Foto: Matthias Nirschl

Sein Name verrät bereits viel über die im Landkreis Mühldorf nur noch an wenigen Stellen anzutreffende und in der Roten Liste Bayern als „gefährdet“ eingestufte Pflanze. Während ihrer Blütezeit von Juni bis Juli verbreiten die in Trugdolden stehenden, schaumigen, kleinen, weißen Blüten einen süßen, mandelartigen Duft. Das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris) ist mit einer Wuchshöhe von 60 cm wesentlich kleiner als das ebenfalls zu den Rosengewächsen zählende, bekanntere und bis 150 cm hohe Echte Mädesüß (Filipendula ulmaria). Auch bevorzugt es als wärmeliebende Art, im Gegensatz zu seinem an Gräben und Nasswiesen sehr häufig vorkommenden, großen Verwandten, mehr wechselfeuchte Wiesen bis hin zu Halbtrockenrasen auf meist kalkreichen Böden. Doch solche Standorte werden heute aufgrund von Nutzungsaufgabe immer seltener. Werden die Wiesen nicht mehr gemäht, breiten sich rasch Gehölze aus und die Flächen verbuschen. Mit den Wiesen verschwindet auch das Kleine Mädesüß.

Um die letzten Vorkommen des Kleinen Mädesüß im Landkreis Mühldorf zu erhalten und zu stärken, hat sich nun der Landschaftspflegeverband Mühldorf (LPV) der Pflege einzelner, wertvoller Standorte angenommen. So wurde auf einem wichtigen Trockenstandort in den vergangenen Wochen im Rahmen einer Erstpflege der aufkommende Gehölzaufwuchs entfernt und die Fläche fachkundig entbuscht. Damit kann auf der Fläche nun wieder die notwendige, regelmäßige Mahd aufgenommen werden. Auch die Mahdvorgaben werden dabei vom LPV auf die Bedürfnisse der zu schützenden Arten abgestimmt. Mit Hilfe des LPV kann das Kleine Mädesüß somit auf eine „rosige Zukunft“ im Landkreis Mühldorf blicken.