Natur im Monat

Hier werden einmal im Monat eine Art, Artengruppe oder ein Lebensraumtyp vorgestellt, welche mit Hilfe des LPVs im Landkreis Mühldorf gefördert wurden:

Natur im Juni – Kuckuksblumen und Orchideen

Fotos: Esther Lindner

Blumenschätze in den Feuchtwiesen des Landkreises Mühldorf

Mit dem richtigen Mahd-Pflegekonzept  erhält und  fördert der Landschaftspflegeverband Mühldorf die Artenvielfalt der Feucht- und Nasswiesen im Landkreis Mühldorf

Sobald im Jahr der Kuckuck vom Waldrand ruft, blüht in den feuchten Flussniederungen und grundwassernahen Wiesen im Landkreis Mühldorf  die Kuckucks-Lichtnelke. Auch viele andere Blütenpflanzen mit zum Teil sehr spannenden Namen wie der Teufelsabbiss,  der Schlangenknöterich oder der Große Wiesenknopf gedeihen hier auf den bodenfeuchten und nassen Standorten. Sie erhielten ihre Namen aufgrund ihres Erscheinungsbildes ihrer  Wurzeln oder Blütenstände. Gleiches gilt für das Wiesenschaumkraut, welches  im April die so genannten Streuwiesen mit seinen weiß-hellrosanen Blüten wie mit einer Schaumkrone überzieht.  Der Name „Streuwiese“ rührt von der traditionellen Nutzung dieser blütenreichen Nass- und Feuchtwiesen her. Sie  wurden früher  einmal im Jahr im Herbst gemäht. Das Mähgut diente als Pferdefutter, vor allem aber nutzte man es als Einstreu in den Viehställen.

Durch die extensive Nutzung  gedeihen auf den meist nährstoffarmen, wassergeprägten Böden artenreiche Wiesen mit vielen Blütenpflanzen. In manchen Feuchtwiesen findet man auf einem 10 bis 20 m² großen Bereich 40 bis 50 verschiedene Pflanzenarten. Auch Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut kommen hier vor. Von dem über das ganze Jahr verteilten Blütenangebot profitieren wiederum zahlreiche Schmetterlinge und andere Insekten. Einige davon, wie der Dunkle Wiesenknopfameisenbläuling, pflegen ganz enge Beziehungen zu bestimmten Blumenarten.

Foto: Esther Lindner

Sobald sich die Nutzungsintensität  der Wiesen ändert, ändert sich auch ihre Artzusammensetzung. Durch eine Nutzungsintensivierung durch Trockenlegung oder Düngung, aber auch aufgrund von Nutzungsaufgabe und fehlende Mahd, breiten sich zunehmend Hochstauden aus. Gilbweiderich, Rohrglanzgras, Schilf sowie Nährstoffzeiger wie Brennnessel und oftmals Neophyten wie das Indische Springkraut verdrängen rasch die Wiesenblumen. Gleichzeitig  nimmt die Artenvielfalt stark ab, und niederwüchsige Pflanzen wie das im Landkreis ohnehin seltene Knabenkraut verschwinden.

Um die artenreichen Feuchtwiesen mit ihrem reicheren Blühhorizont zu erhalten oder wieder herzustellen, ist oftmals eine Aushagerung der Fläche notwendig. Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf entwickelt dazu für die wertvollen Feuchtflächen im Landkreis Mühldorf angepasste Mahdregime. Durch eine abgestimmte frühe Mahd der sich ausbreitenden Schilf- und Neophytenbestände können dem Boden möglichst viele Nährstoffe entzogen werden und gleichzeitig die Ausbreitung von Neophyten eingedämmt werden. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass die ebenfalls sehr wertvollen, reinen Schilfbestände erhalten bleiben. Ein abgestimmtes Pflegekonzept ermöglicht die Entwicklung eines kleinräumigen Mosaiks unterschiedlicher Feuchtlebensräume nebeneinander.   Durch die dadurch erreichte Strukturvielfalt auf engem Raum kann der wertvolle  Artenreichtum erhalten und gefördert werden. So sorgt der LPV Mühldorf dafür, dass auch in den kommenden Jahren mit dem Ruf des Kuckucks im Landkreis Mühldorf die Kuckucks-Lichtnelken erblühen werden.

Natur im Mai – Heimische Insekten

Foto: Esther Lindner

Blumenparadiese für Wildbiene und Co.:
Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf legt artenreicher Wiesen an und fördert so u.a. heimische Insekten

Ob in Privatgärten, auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen oder auf kommunalen Flächen, vielerorts wird inzwischen viel getan, um unseren heimischen Insekten – Wildbienen, Schmetterlingen, Fliegen, Käfern und Co – zu helfen. Doch was auf den ersten Blick ganz einfach erscheint, ist oft komplexer als gedacht. Denn viele unserer Insekten sind Spezialisten und an ganz bestimmte Pflanzenarten angepasst. Soll eine Blumenwiese unseren heimischen Insekten wirklich etwas bringen, müssen die besonderen Ansprüche der verschiedenen Arten berücksichtigt werden. Daher unterstützt der LPV Mühldorf Interessierte und berät bei der Anlage von artenreichern, insektenfreundlichen Blühwiesen von der Auswahl des passenden Saatgutes bis hin zur optimalen Pflege.

Jeder ist für sich besonders und manchmal etwas „g´schleckig“

Während unsere Honigbiene als sogenannter Generalist sich mit vielen verschiedenen Blüten und Blumen als Trachtquelle begnügt, sind viele unserer heimischen Wildbienen aber auch Schmetterlinge weit aus anspruchsvoller und pflegen enge Beziehungen zu ganz bestimmten Pflanzenarten. Viele heimische Schmetterlinge benötigen ganz spezielle Futterpflanzen für ihre Raupen, der prächtige Schwalbenschwanz benötigt für seine Raupen Wildblumen wie die Wilde Möhre. Aber nicht nur die Raupen, auch die Schmetterlinge selbst haben ihre Vorzüge, an welchen Blumen sie saugen. Gleiches gilt für viele unserer Wildbienenarten. Oft sind sie auf ganz bestimmte Pflanzen mit z.T. schwer zu bestäubenden Blüten spezialisiert, welche von der Honigbiene gemieden werden. Somit haben viele Insekten ihre ganz individuelle „Partner-Pflanze“.

Artenreiche Wiesen fördern unsere heimischen Insekten

Aktuell werden vom LPV im Landkreis Mühldorf Wiesen mit Arten angereichert oder neu angelegt, um unsere heimische Insektenwelt zu fördern. Bei der Auswahl des Saatgutes ist wichtig, dass ausschließlich regionales Saatgut verwendet wird, denn nur heimische Pflanzen sind für unsere heimischen Insekten von Nutzen. Damit sich die Blühwiesen im gewünschten Maße entwickeln, gibt der LPV Mühldorf zudem Hinweise für die Pflege der Flächen. Auf diese Weise entstehen im Landkreis neue Blumenparadiese für unsere heimischen Insektenarten.

Natur im April – Der Kiebitz (Vanellus vanellus)

Foto: Erwin Wolf

Die Frühlingsboten sind zurück

Mit akrobatischen Flügen und typischem „Kiwitt-Ruf“ sieht man die Himmelsgaukler zurzeit über den Feldern fliegen. Durch ihre beeindruckenden Balzflüge grenzen die auffällig schwarz-weiß gefärbten Vögel mit dem leicht metallisch schimmernden Gefieder und der charakteristischen Federholle auf dem Kopf ihre Brutreviere ab.  Bereits Mitte Februar sind die ersten Kiebitze aus ihren Überwinterungsgebieten in Westfrankreich oder Spanien zurückgekommen, um nun – als sehr brutortstreue Vögel – auf ihren angestammten Feldfluren dem Brutgeschäft nachzugehen.

Der Acker als neues Brutgebiet

Kiebitze sind so genannte Wiesenbrüter. Da ihre ursprünglichen Brutgebiete, extensiv genutzte, oft feuchte Wiesen, jedoch immer seltener werden, weichen die Tiere immer häufiger auf Ackerflächen aus, welche zu Beginn der Brutzeit – etwa ab Mitte März – noch brachliegen. Solche Bedingungen bevorzugen die Bodenbrüter, denn sie brauchen freie Rundumsicht, um nahende Fressfeine wie den Fuchs rechtzeitig erkennen zu können. Ihre Gelege bestehen aus einer flachen Mulde, welche nur sehr spärlich mit ein paar Halmen ausgekleidet wird. Die braun gesprenkelten Eier sind auf dem Boden hervorragend getarnt. In der Regel sind es vier Stück, welche – wie die Blätter eines Kleeblattes angeordnet – in der Mulde liegen.

Der neu gewählte Brutplatz auf dem Acker birgt jedoch Gefahren, denn viele Feldbearbeitungsvorgänge fallen genau in die Brutzeit der Vögel. Da die Nester so gut getarnt sind, werden sie bei der Feldbearbeitung häufig übersehen und so unbeabsichtigt zerstört.

Hilfe für den gefährdeten Feldvogel

Die Kiebitze im Landkreis Mühldorf haben großes Glück. Bereits seit einigen Jahren werden hier einfache, aber erfolgreiche Gelegeschutzmaßnahmen für die stark gefährdeten Feldvögel durchgeführt. Dazu sind im gesamten Landkreis mehrere ehrenamtliche Kiebitz-Helfer*Innen unterwegs, um nach Neststandorten von Kiebitzen Ausschau zu halten. Wurde ein Gelege lokalisiert und ist der Landwirt bzw. die Landwirtin einverstanden, so werden die Nester mit Stangen jeweils drei Meter vor und nach dem Gelege in Fahrtrichtung markiert. So ist das Kiebitznest bei der weiteren Feldbearbeitung gut zu erkennen und kann entsprechend umfahren werden.

Der Landschaftspflegeverband im Kiebitz-Schutz

Seit diesem Jahr koordiniert der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf am Inn das gemeinsam von Landesbund für Vogelschutz  (LBV)- Kreisgruppe Mühldorf, Bayerischem Bauernverband (BBV), Wildland-Stiftung Bayern und der Unteren Naturschutzbehörde initiierte Kiebitz-Projekt im Landkreis Mühldorf. Damit unterstützt der LPV eine weitere, gefährdete Tierart unserer heimischen Natur, auf dass uns die sympathischen Himmelsgaukler auch in Zukunft den Frühling ankündigen werden.

Jeder kann mithelfen!

Jeder kann das Kiebitz-Schutzprojekt unterstützen, indem er Kiebitz-Beobachtungen an den LPV Mühldorf meldet, unter Tel.: 08631 / 699 576 oder Mail: esther_lindner@lpv-muehldorf.de.

Natur im März – Kopfweiden

Foto: Elisabeth Knapp

Aus einer traditionellen Nutzungsform heraus entstanden, gehören Kopfweiden zu den prägenden Landschaftselementen in unserem Landkreis. Die Kopfbäume waren früher vor allem in den Flussniederungen und Bachtälern weit verbreitet und wurden vom Menschen auf vielfältige Weise genutzt: die Weidenruten dienten als Flechtmaterial für Korbwaren und Reusen, aber auch für die Anlage von Zäunen oder als Besen- und Werkzeugstiele. Die Blätter wurden als Viehfutter oder Stalleinstreu verwendet.

Zur Entwicklung der charakteristischen Kopfweiden werden die Bäume – meist Silberweiden oder Korbweiden -in etwa zwei Meter Höhe geköpft, was dazu führt, dass der Baum unterhalb der Schnittstelle mit langen, rutenförmigen Zweigen wieder neu austreibt. Im Zuge des „Schneitelns“ werden die Weidenruten so alle vier bis fünf Jahre geschnitten. Durch diesen wiederholten Rückschnitt verdickt sich die Schnittstelle schließlich zum sogenannten Kopf.

Nicht nur der Mensch profitiert von den Kopfweiden. Die Bäume haben auch vielen unterschiedlichen Tierarten einiges zu bieten. Durch den Schnitt können Bakterien und Pilze in den Stamm eindringen und bewirken ein Verfaulen des Stammes. Dieses Moderholz ist ein wichtiger Lebensraum für eine riesige Zahl an Insekten, so dass dickstämmige Kopfweiden mit zu den insektenreichsten Pflanzen zählen. Gleichzeitig bilden sich dabei unzählige Höhlen, welche höhlenbrütenden Vogelarten wie Wendehals, Steinkauz oder Gartenrotschwanz als Bruthöhle dienen. Auch andere Tiere, zum Beispiel Fledermäuse wie der Große Abendsegler oder auch der Siebenschläfer finden hier ein Quartier.

Durch die Aufgabe der traditionellen Nutzung verschwinden die Kopfweiden und mit ihnen die so wertvollen Lebensräume zunehmend. Gleichzeitig geht ein typisches kultur-historisches Landschaftselement verloren. Der Landschaftspflegeverband (LPV) Mühldorf hat nun im vergangenen Februar an mehreren Kopfweiden im Landkreis Mühldorf einen fachkundigen Pflegeschnitt durchführen lassen, denn nur durch eine regelmäßige Pflege lassen sich die wertvollen Kopfbäume erhalten. Mit Hilfe des LPVs werden die zahlreichen Tierarten dadurch hier auch in Zukunft ein Zuhause finden.

Natur im Februar – Das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris)

Foto: Matthias Nirschl

Sein Name verrät bereits viel über die im Landkreis Mühldorf nur noch an wenigen Stellen anzutreffende und in der Roten Liste Bayern als „gefährdet“ eingestufte Pflanze. Während ihrer Blütezeit von Juni bis Juli verbreiten die in Trugdolden stehenden, schaumigen, kleinen, weißen Blüten einen süßen, mandelartigen Duft. Das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris) ist mit einer Wuchshöhe von 60 cm wesentlich kleiner als das ebenfalls zu den Rosengewächsen zählende, bekanntere und bis 150 cm hohe Echte Mädesüß (Filipendula ulmaria). Auch bevorzugt es als wärmeliebende Art, im Gegensatz zu seinem an Gräben und Nasswiesen sehr häufig vorkommenden, großen Verwandten, mehr wechselfeuchte Wiesen bis hin zu Halbtrockenrasen auf meist kalkreichen Böden. Doch solche Standorte werden heute aufgrund von Nutzungsaufgabe immer seltener. Werden die Wiesen nicht mehr gemäht, breiten sich rasch Gehölze aus und die Flächen verbuschen. Mit den Wiesen verschwindet auch das Kleine Mädesüß.

Um die letzten Vorkommen des Kleinen Mädesüß im Landkreis Mühldorf zu erhalten und zu stärken, hat sich nun der Landschaftspflegeverband Mühldorf (LPV) der Pflege einzelner, wertvoller Standorte angenommen. So wurde auf einem wichtigen Trockenstandort in den vergangenen Wochen im Rahmen einer Erstpflege der aufkommende Gehölzaufwuchs entfernt und die Fläche fachkundig entbuscht. Damit kann auf der Fläche nun wieder die notwendige, regelmäßige Mahd aufgenommen werden. Auch die Mahdvorgaben werden dabei vom LPV auf die Bedürfnisse der zu schützenden Arten abgestimmt. Mit Hilfe des LPV kann das Kleine Mädesüß somit auf eine „rosige Zukunft“ im Landkreis Mühldorf blicken.