Das Zusammenspiel der meist alten, hochstämmigen Streuobstbäume auf extensiv durch Mahd oder Beweidung genutzten , strukturreichen Wiesen bildet einen der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas. Über 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten, darunter auch viele seltene und geschützte Arten, beherbergt der Lebensraum Streuobstwiese und macht ihn zu einem Hotspot unschätzbarer Artenvielfalt.
Im Rahmen unseres Projektes stellen wir Euch hier nach und nach verschiedene typische Bewohner der Streuobstwiese vor.

Siebenschläfer
(Glis glis)
Der Siebenschläfer ist als typischer Bewohner der Streuobstwiese das Maskottchen unseres Streuobstprojektes. Der nur 13 – 20 cm große, putzige und sehr lautfreudige Kerl mit den schmalen, schwarzen Augenringen um die großen, schwarzen Augen, den kleinen, kurzen, runden Ohren und dem langen, buschigen Schwanz zählt, wie Gartenschläfer und Haselmaus zu den Bilchen.
In unserer Streuobstwiese verschläft der Siebenschläfer im Sommer den Tag in den Baumhöhlen und Astlöchern der alten Obstbäume, bevor er sich dann nachts auf Nahrungssuche nach Früchten, Nüssen, Samen sowie gelegentlich auch Insekten und Vogeleiern begibt. Hier frisst er sich seine Fettreserven für den Winterschlaf an, welcher oft schon Ende September beginnt und durchaus auch mal bis Anfang Juni, und damit weit mehr als sieben Monate (Name!) dauern kann. Eingerollt als Pelzkugel verschläft er so den Winter in selbstgegrabenen, frostsicheren Erdhöhlen. Dabei sinkt seine Körpertemperatur auf wenige Grad Celsius ab, seine Atmung geht auf 1 – 3 Atemzüge pro Minute zurück und er verliert 1/4 bis 1/2 seines Körpergewichts.
Wendehals
(Jynx torquilla)
Wie der Grünspecht geht der Wendehals in unserer Streuobstwiese vor allem am Boden auf Nahrungssuche nach Weg- und Wiesenameisen.
Seinen Namen verdankt der Wendehals seinen langsamen, schlangenartigen Kopfbewegungen, einem Verhalten, das er sowohl bei der Balz als auch als Drohgebärde zeigt.

Der Wendehals gehört zu den Spechten. Im Gegensatz zu den anderen Spechtarten klettert er jedoch nicht, trommelt nicht und zimmert sich auch keine Bruthöhle. Umso wichtiger sind für ihn de vorhandenen Baumhöhlen alter Obstbäume, in denen er seine 7 – 12 Eier auf den blanken Höhlenboden legt.
Der Wendehals ist in Bayern ein nur lokal verbreiteter Brutvogel, der auf der Roten Liste Bayern als „vom Aussterben bedroht“ (RLB 1) eingestuft wird.
Im Landkreis Mühldorf wurden in den letzten Jahren (2024 – 2026) immer wieder einzelne Wendehälse während der Brutzeit, teilweise mit Balzverhalten gemeldet, so z.B. aus den Gemeinden Obertaufkirchen, Schwindegg, Rattenkirchen und Oberbergkirchen. Einen sicheren Brutnachweis gibt es jedoch nicht. Eine Meldung über ein wahrscheinlich brütendes Wendehalspaar gibt es allerdings aus dem Jahr 2025 aus der Gemeinde Haiming im Nachbarlandkreis Altötting.

Großer Abendsegler
(Nyctalus noctula)
Der Große Abendsegler ist eine heimische Fledermausart, welche gerne die Baumhöhlen alter Obstbäume als Sommerquartier nutzt. Teilweise überwintert er auch in hohlen, dickwandigen Bäumen.
Im Sommer begibt sich der Große Abendsegler bereits am späten Nachmittag, oft in Gesellschaft mit Schwalben und Mauerseglern, auf die Jagd nach Fluginsekten. Dabei zeigt er seinen charakteristischen, bis zu 50 km/h schnellen, geradlinigen Flug mit abrupten Wendungen und Sturzflügen.
Der Große Abendsegler steht auf der Roten Liste Bayern auf der Vorwarnliste. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt (LfU) wird jedoch seit einigen Jahren sowohl in Bayern als auch anderen Teilen Deutschlands und Europas ein Bestandsrückgang beobachtet.
Admiral
(Vanessa atalanta)
Der Admiral ist ein Wanderfalter, der jedes Jahr von Süden über die Alpen nach Mitteleuropa einfliegt, um hier eine neue Faltergeneration hervorzubringen.
Die bei uns geschlüpften Falter fliegen im Spätsommer dann zurück in den Süden. Für die weite Reise tanken sie gerne Energie am Fallobst unserer Streuobstwiese.


Wiedehopf
(Upupa epops)
Als Höhlenbrüter bevorzugt der Wiedehopf Streuobstwiesen mit wenig intensiver Bodennutzung. Höhlenbäume alter Streuobstbestände bieten ihm dort geeignete Brutplätze.
In alten Baumhöhlen der Streuobstbäume brütet das Weibchen seine 5 – 8 Jungen aus. Diese sind übrigens sehr wehrhaft. Droht Gefahr, so wehren die Küken den Fressfeind erfolgreich durch lautes Fauchen ab und spritzen dem Eindringling ein übelriechendes Sekret und ihren Kot entgegen.
Mit nur etwa 10 Brutpaaren in Bayern gilt der Wiedehopf bei uns als stark bedroht. Dementsprechend wird er in der Roten Liste Bayern in der Kategorie 1, also „vom Aussterben bedroht“ geführt.
Die letzten Meldungen von brütenden Wiedehopfen in unserer Region stammen aus dem Nachbarlandkreis Altötting aus den Jahren 1926, 1970 sowie 2000. In den letzten Jahren haben sich jedoch erfreulicherweise Beobachtungen von Durchzüglern, die sich vermutlich auf dem Weg nach Norddeutschland befanden, gehäuft. Aus dem Jahr 2016 gibt es sogar einen Brutverdacht eines Wiedehopf-Pärchens bei einem landwirtschaftlichen Anwesen bei Asten. Diese Meldungen geben Grund zur Hoffnung, dass sich der Wiedehopf in unserer Region wieder ansiedeln könnte.
Zauneidechse
(Lacerta agilis)
Die strukturreiche Streuobstwiese bildet für unsere häufigste Eidechsenart, der Zauneidechse, einen optimalen Lebensraum. Hier findet sie Totholzbereiche für ein Sonnenbad, ein vielseitiges Nahrungsangebot an Insekten und hervorragende Versteckmöglichkeiten. Die mageren, extensiven Wiesen mit offenen Bodenstellen bieten ihr zudem geeignete Eiablageplätze.

Die Zauneidechse gilt nach Anhang IV FFH-Richtline als „streng geschützte Art“ und wird in der Roten Liste Bayern als „gefährdet“ (Kategorie 3) eingestuft.
Laut BN Kreisgruppe Mühldorf (A. ZAHN) sind Zauneidechsen bei uns im Landkreis Mühldorf in geeigneten Lebensräumen noch regelmäßig anzutreffen, doch sind Vorkommen mit großer Individuenzahl selten geworden.

